Grand Ferdinand backstage room.
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FASHION STAYCATION

“Hotelzimmer sind doch alle gleich!” – Ein leerer Schrank, ein Bett, das Tischchen mit dem Wasserkocher, welches entweder immer zu klein ist oder an dem man sich dauernd anstößt. Am meisten wünschen wir uns jedoch: Sauberkeit. Vor allem aber wollen wir auf keinen Fall irgend etwas von unserem Vorgänger finden oder riechen! Dass dieser – oder diese, wer weiß? – in diesem Raum, in dieser Stadt seine eigene Geschichte erlebt hat, passt so gar nicht in die unberührte Anonymität, in der wir unser Hotelzimmer am liebsten vorfinden.

Hotelzimmer mit der Nummer 619

In den meisten Hotelzimmern wird hauptsächlich geschlafen, geduscht, gegessen, ferngesehen. Bei einer Hotelraumnutzung der ganz anderer Art durfte ich letzten Monat dabei sein:

So barg das Zimmer mit der Nummer 619 (Hotel: Grand Ferdinand, Kategorie: Standard) in diesem Fall kein Urlaubsfeeling sondern wurde zu einem Backstagebereich umfunktioniert. In dem Hotel am Schubertring 10-12 in Wien fand nämlich das Jurymeeting der Austrian Fashion Awards statt. Es nahmen nicht nur hochkarätige Gäste aus der internationalen Modeszene daran Teil, sondern es waren auch österreichische Designer mit ihren neuesten Kollektionen vertreten und durften ihre Zukunftspläne präsentieren und somit auf Fördergelder hoffen.

Steamer in action by DMMJK!

Steamer in Aktion – DMMJK.

Die Fachjury bestand aus:

Patricia Romatet – Studienleiterin und Professorin am Institut Français de la Mode Paris (IFM)
Branco Popovic – Mitbegründer und Leiter, FASHIONCLASH Maastricht
Rosario Morabito – Freier Journalist (L’UOMO, Vogue, The Business of Fashion, FRAME)
Stavros Karelis – Eigentümer und Einkäufer (Machine A Store London)

Das Hotelzimmer ist ca. 20qm groß und bietet ein Doppelbett, eine offene Dusche und ein verschließbares WC. Die Dusche wurde sofort als Abstellraum eingerichtet, die Kleiderstangen hineingebracht und die Models genossen den Ausblick auf Wien aus einem wandfüllenden Fenster. Kaffee wurde bereit gestellt und das Schauspiel konnte beginnen. Es tummelten sich im Durchschnitt sieben Personen im Backstagebereich “Zimmer 619”. Kleidung wurde an- und ausgezogen bis das Endresultat der Vision des Designers entsprach. Kleidungsstücke wurden auf Kleiderstangen in Szene gesetzt und Designer erzählten von ihren Erfahrungen. Diese gewisse Spannung – eine Mischung aus Lampenfieber und Prüfungsangst – lag in der Luft und die Atmosphäre wurde drückender, je näher es zu den Jurypräsentationen kam.

various views - personal stories.

Ein Blick hinter die Kulissen.

Leopold Bossert.

Leopold Bossert.

Für mich ist die Nummer 619 jetzt kein seelenloses Hotelzimmer mehr und auch nicht nur eine Schlafmöglichkeit, sondern es erzählt die Geschichte der Gewinner und Verlierer der AFA Awards 2016. Es birgt die Geschichten der Models und der Designer. 619 ist nun nicht mehr anonym, sondern voller Emotion und Lebensziele, voller Träume und Hoffnungen. Das Zimmer war die perfekte Kulisse für dieses Event und ich kann auch eine Übernachtung wärmstens empfehlen (das Bett wurde natürlich getestet und für gut befunden – ein bisschen Pause muss sein!).

Gewinner der Austrian Fashion Awards 2016

Modepreis des Bundeskanzleramts – Marie Oberkönig
Modepreis der Stadt Wien – Leopold Bossert

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